WELCOME TO THE JUNGLE OF PALENQUE

Einmal zu den Geräuschen des Dschungels einschlafen, das wäre doch etwas. Deshalb buchen wir eine Cabana bei Carole, die wir über Airbnb gefunden haben. Eine kleine Bambus-Hütte, die Fenster ersetzt durch Mückengitter, ausgestattet mit einem Bambusbett und zwei Nachttischen mitten im Grünen. „Vergesst nicht die Türe zu schließen..“, erinnert Carole uns, „ihr seid hier im Dschungel, hier gibt’s neben Mücken auch Schlangen, Affen und andere Tierchen!“

 

Nach unserer Übernachtfahrt, die alles andere als erholsam war (bei gefühlten -10 Grad bekommt doch wirklich niemand ein Auge zu), hat Carole uns mit einem überragenden Frühstück willkommen geheißen. Für zwei Nächte haben wir uns bei ihr einquartiert und wollen uns die Maya Ruinen in Palenque ansehen. Carole empfiehlt uns außerdem den Roberto Barrios Wasserfall zu besuchen, der sei noch ein Geheimtipp, verglichen zu Agua Azul und Misol-Ha, die wir bereits in unserem Lonely Planet und bei Tourenanbietern entdeckt haben. 

 

Ein Highlight der Unterkunft ist die Affenfamilie, die im Dschungel nebenan wohnt und alle paar Tage zum Bananen essen vorbeikommt. Wir haben Glück, denn kurz nach unserer Ankunft kommen Sie bereits zu Besuch. Neugierig laufen die kleinen Affen auf uns zu und halten ganz vorsichtig unseren Arm fest, während sie uns die Bananen aus den Händen futtern. Nachdem sie sich den Bauch vollgeschlagen haben, verschwinden sie so schnell, wie sie gekommen sind. Für uns ist das ein unvergessliches Erlebnis! – Genau wie die Nacht, denn die Geräuschkulisse ist wirklich einmalig. Anfangs ein wenig beängstigend, gewöhnt man sich schnell an die verschiedenen Tierlaute, die wir (Bzw. Ich – Andi schläft natürlich trotzdem sofort ein) zwar nicht richtig einordnen können, die aber klingen, als würden sie direkt vom Fenster kommen.

  

Mit einem Collectivo fahren wir am nächsten Morgen zu den Palenque Ruinen, wir brechen wieder recht früh auf (aus den geplanten 8 sind 10 Uhr geworden, weil wir uns beim Frühstück mit dem Franzosen Laurent verquatscht haben), um zum einen den großen Massen und zum anderen der Mittagshitze zu entgehen. Zwar erwarten uns wieder ein paar fliegende Händler, aber bei Weitem kein Vergleich zu dem Andrang bei den Ruinen von Chichen Itza. Und was soll ich sagen? Die Ruinen von Palenque überwältigen uns. Vielleicht liegt es daran, dass sie mitten im Dschungel liegen, wir sie teils betreten können, oder viele der Gebäude sehr gut erhalten sind (Und das obwohl gerade mal 5 % der Bauten freigelegt sind). Jedenfalls können wir uns das Leben der Maya bildlich vorstellen, sind fasziniert und beeindruckt von den vielen Details der riesigen Bauten. Wir verbringen einige Stunden auf dem Gelände, erkunden die Ruinen und sitzen einfach nur da und lassen uns von den Geräuschen des Dschungels berieseln, den Kopf voll mit Bildern und Fragen. Wie war es den Mayas, die in ihrer Blütezeit eine Hochkultur darstellten, möglich die riesigen Bauwerke zu erschaffen? Und wieso ist eine so intelligente Kultur mit ihren Künsten, Wissen in Mathematik und bekannt für ihren hochentwickelten Kalender zugrunde gegangen? Unsere Neugier ist geweckt und wir nehmen uns vor unser Wissen am Abend ein wenig aufzufrischen. 

  

Zunächst heißt es aber erstmal abkühlen, denn in Palenque sind es ca. 40 Grad und es weht kein Lüftchen. Wir fahren ungefähr eine Stunde aus der Stadt raus zum Roberto Barrios Wasserfall, der einem wunderschönen, sich durch den Dschungel ziehenden Bachlauf gleicht. Wir folgen ihm einen kleinen Weg entlang und sehen ab und zu Leute die in einem der Becken plantschen und Frauen in bunter Tracht, die uns Köstlichkeiten verkaufen möchten. Wir laufen ungefähr 30 Minuten bis zum letzten Becken, hängen unsere Klamotten in den Baum und hüpfen ins Wasser.

 

 

Wer sich in der Nähe von Palenque befindet, sollte Roberto Barrios einen Besuch abstatten. Der Wasserfall, der wie ein mexikanischer Fussballspieler klingt, ist noch ein echter Geheimtipp und bietet eine wunderbare Abkühlung von der Hitze Palenques.

Zusammen mit Laurent machen wir uns nach der zweiten Nacht auf in Richtung San Christobal de las Casas – eine Stadt, die ebenfalls im Bundesstaat Chiapas, aber deutlich höher als Palenque, liegt. Für uns heißt das, wir können nach drei Wochen in der Hitze endlich unsere langen Klamotten auspacken!

LAGUNA BACALAR – DER SEE DER SIEBEN FARBEN

Bevor es für uns weiter ins Landesinnere geht, wollen wir noch einmal die Zeit am Wasser genießen. Nach stundenlanger Boots- und Busfahrt, Aufenthalt in Belize City und dem gewohnten Grenz-Zirkus kommen wir im „The Yak Hostel“ in Bacalar an. Bacalar liegt direkt an der gleichnamigen Lagune Bacalar, auch bekannt als See der 7 Farben und der Name verspricht definitiv nicht zu viel – leider ist es sehr windig und der See zu unruhig, um ihn mit dem Kajak zu erkunden. Zum Glück ist der Ausblick aber auch von Land aus nicht zu verachten: der See, entstanden durch den Zusammenschluss von sieben Cenoten, besticht durch die verschiedensten, wunderschönen Blautöne.

Von dem kleinen, ruhigen Städtchen Bacalar sehen wir in den nächsten Tagen recht wenig bzw. es gibt auch nicht gerade Unmengen zu sehen – meist laufen wir nur die etwa 500m vom Hostel zu unserem lokalen Gemüsehändler des Vertrauens, um Gemüse (4 Avocados, 3 Tomaten, Knoblauch, 1 Limette, 1 Paprika, 1 Zwiebel und Salat) und Tortillas für insgesamt etwa 3 € zum Abendessen einzukaufen. Den Rest der Zeit verbringen wir am und ab und zu auch im See (das Hostel hat sensationeller Weise direkten Zugang), holen das Schreiben unserer Reiseberichte nach und planen die nächsten Tage in Mexiko. Besonders gefallen hat uns der Sonnenaufgang auf dem hostel-eigenen Steg, auch wenn das Aufstehen extrem schwerfiel, nachdem die Nacht im 3-stöckigen Hochbett (ich ganz unten, Andi in der Mitte und noch jemand ganz oben) ziemlich unentspannt war, weil der Bettenturm bei jeder Bewegung in gefährliche Schwingungen geraten ist.

 

Da es von unserer Zeit in Bacalar ansonsten nicht mehr allzu viel zu berichten gibt, nochmal kurz zurück zu unserem Lieblingsthema -Essen-: Ich mag mexikanisches Essen eigentlich sehr gerne. Nur Koriander mag ich so ganz und gar nicht und der ist so ziemlich das Salz und Pfeffer der mexikanischen Küche. Außerdem gab es bereits den ein oder anderen Fehltritt aufgrund von mangelnden Sprachkenntnissen. So mussten wir feststellen, dass rote Soße nicht immer scharf und grüne ebenso wenig immer Guacamole ist, Chili con Carne nicht gleich Chili con Carne und sich Chili auch sonst mit Bier und Früchten jeglicher Art kombinieren lässt. Deswegen, aber auch aus Kostengründen, kochen wir relativ häufig selbst. Auf eine Sache können wir uns dabei immer verlassen: Avocados! Die Avocado-Freunde in Deutschland kennen das Dilemma – entweder sind sie zu hart, zu weich, zu braun oder fädrig. Nicht so in Mexiko – hier ist jeder Griff ein Treffer. Und so landen die kleinen „Glücklich Macher“ Tag für Tag auf unserem Teller. Wie viele Avocados man essen muss, um sie satt zu sein und ob das überhaupt geht, wissen wir nicht – aber wenn, dann werden wir es bestimmt herausfinden, bis dahin genießen wir unsere Zeit im Avocado – Himmel.

GO SLOW ON CAYE CAULKER

Auf Caye Caulker lernt man Genügsamkeit und die perfekte Mischung Rum-Cola.

Bevor es dazu kommt gibt’s aber natürlich noch ein bisschen Abenteuer und Stress, wenn man denn in unserer Situation überhaupt von Stress sprechen kann. Der Entscheidung, ob wir nach Belize reisen wollen oder nicht, ist ein tägliches Abwägen der Pros und Contras vorhergegangen. Dabei waren die entscheidenden Argumente, dass wir zum einen ein Zeitlimit (Sprachschule in Guatemala über Ostern) haben, wir eigentlich gerne noch mehr von Mexiko sehen wollen und zu guter Letzt Belize im Vergleich sehr teuer ist. Das wichtigste und am Ende entscheidende PRO Argument ist aber, dass Andi am 26. März Geburtstag hat und vor genau 19 Jahren diesen schon einmal mit seinem Opa in Belize gefeiert hat. Die Lösung sieht deshalb vorläufig folgendermaßen aus: für 3 Tage geht’s auf die Insel Caye Caulker und dann für zwei Wochen zurück nach Mexiko.

Um 15 Uhr geht laut unserer Info das letzte Boot nach Caye Caulker – Unser Reisetag spielt sich ungefähr wie folgt ab:

10:15 Uhr          Geplante Busabfahrt Tulum (wie bereits erwähnt haben wir uns für das günstige, späte Busticket entschieden)

10:40 Uhr          Tatsächliche Busabfahrt Tulum

14:30 Uhr          Ankunft Bahnhof Chetumal

14:45 Uhr          Ankunft Hafen/Grenzstation Chetumal

Bevor wir unsere Tickets kaufen, nehmen uns eifrige Mitarbeiter bereits das Gepäck ab und informieren uns darüber, dass die Bankautomaten auf Caye Caulker nicht funktionieren, wir Geld für Ein- und Ausreise benötigen und in spätestens 5 Minuten zur Grenzkontrolle durch das Militär bereitstehen müssen.

14:50 Uhr          Panischer Sprint zum nächsten Bankautomaten

15:05 Uhr          Atemlos und mit hochrotem Kopf stehen wir am Ausreiseschalter (An dieser Stelle schöne Grüße an meine Sportfreunde Katrin und Christina)

Wie befürchtet und bereits im Vorfeld erfahren, fordert man uns auf 25 USD Ausreisegebühr aka Touristen-Tax p.P. zu zahlen. Wir zeigen dem netten Herrn unser Flugticket auf Deutsch und sagen die Gebühr wäre bereits inkludiert. Ob das stimmt wissen wir nicht, aber es funktioniert 🙂

15:10 Uhr          Das Handgepäck muss zur Kontrolle in der Mitte des Raumes aufgereiht werden

15:25 Uhr          Unter nervösen Blicken der Reisenden führt ein Soldat mit Hilfe seines Schäferhundes die Taschenkontrolle durch. Alle hoffen, dass der Hund an der eigenen Tasche vorbeiläuft und wenn er doch einen Moment länger als nötig verharrt, kann man förmlich sehen, wie der Herzschlag der betroffenen Person für einen Moment aussetzt.

15:40 Uhr          Alles ok –  Alle dürfen auf das vollbesetzte Boot

16:50 Uhr          Abfahrt – zum Glück haben wir einen Platz im hinteren Teil ergattert, denn vorne scheppert es ordentlich

17:50 Uhr          Ankunft San Pedro (Ambergris Caye) – Einreise Belize

Aussteigen, Gepäck auf den Rücken und wieder heißt es warten. Dieses Mal in Reih und Glied. Nach zwei Fragen zur Reisedauer und der Bezahlung bekommen wir endlich den Stempel für unser Visum.

18:15 Uhr          Abfahrt San Pedro

18:30 Uhr          Ankunft Caye Caulker

Irgendwo zwischen Ankunft in Caye Caulker und Einreise in San Pedro lernen wir drei Deutsche kennen, die wir nach ihrem Hostel fragen, da wir, unsicher ob wir es an dem Tag auf die Insel schaffen würden, noch nichts gebucht haben. Wir schließen uns Tim an, der glücklicherweise mit dem Golfkart von den Hostelbesitzern Rosie und Bassilio abgeholt wird.  Die beiden sind so herzlich und hilfsbereit, dass wir uns nach der Anreise kaum ein schöneres Willkommen und keine bessere Unterkunft als das Hostel „Go Slow“ hätten wünschen können. Ich weihe Rosie in meinen Plan ein für Andi zum Geburtstag eine Angeltour zu organisieren. Denn genau das hat er mit seinem Opa vor 19 Jahren auch gemacht. Sie verspricht mir für den nächsten Tag ein Treffen mit einem Fischer und schlägt ein Geburtstags-Grillen im Hostel vor.

Den nächsten Tag verbringen wir mit ein paar anderen Reisenden am Strand, trinken frische Kokosnussmilch und genießen das langsame Leben auf der Insel im karibischen Meer. Die Uhren scheinen hier anders zu ticken und überhaupt unterscheiden sich das Leben und die Menschen hier stark von denen in Mexiko. Das liegt größtenteils daran, dass Belize, anders als andere zentralamerikanische Staaten, eine britische Kolonie ist. Die Amtssprache ist Englisch und es gibt neben denen der Maya auch starke afrikanische Einflüsse, welche mitsamt Sklaven im Kolonialzeitalter nach Belize kamen.

Am Strand beobachtet Andi einen Fischer, der sich als Fiddel vorstellt, beim Ausnehmen eines Barrakudas. Sie kommen ins Gespräch und er lädt uns für den Abend zum Grillen des besagten Fisches ein.  Dabei erzählt er uns viel von seinem Leben auf Caye Caulker und der Geschichte des Landes. Wir verabschieden uns nach ein paar Stunden und kehren bewaffnet mit einer Flasche Rum zurück ins Hostel, wo wir mit den Anderen in Andis Geburtstag feiern.

Happy Birthday! Heute geht’s um 8 Uhr auf hohe See. Eslie steht schon bereit und erwartet uns mit seinem Boot.  Ich bin ein bisschen aufgeregt, denn ich war noch nie Angeln oder Fischen – gibt’s da einen Unterschied? Als erstes, so lerne ich, benötigt man natürlich Köder. Also fangen wir bzw. Eslie mit dem Netz ein paar kleine Fische. Im zweiten Schritt werden diese LEBEND (!?) an den Haken befestigt. Im flachen Wasser erhoffen wir uns einen Barrakuda zu fangen, denn der Plan ist den gefangenen Fisch am Abend mit dem Rest der Bande zu grillen. Gesagt getan. Natürlich beißt bei mir sofort einer an – denke ich zumindest – doch Eslie erklärt mir schnell, dass das nur der Wasserwiderstand des langsam vor sich hingleitenden Bootes ist. Ok, ein bisschen enttäuscht, aber noch immer hochmotiviert geht es weiter. Als wir nach einer Stunde noch immer nichts gefangen haben, schlägt er vor es erstmal beim Tiefseefischen zu versuchen. Laut seinem Navi für Fische sollen sich einige Red Snapper in den Tiefen des Meeres rumtümmeln. Bei starkem Wellengang versuchen wir unser Glück. Nach einer weiteren Stunde müssen wir allerdings aus „gesundheitlichen“ Gründen abbrechen. Was wir bis dahin gefangen haben? Ein bisschen Seegras, Muskelkater im Arm und starke Übelkeit. Nachdem Andi Eslie´s Rat („Let it all out“) befolgt, geht es ihm schnell wieder besser. Also zurück ins ruhige Wasser. Eslie fährt mit uns zu einem Schiffswrack – da sind jede Menge Barrakudas, verspricht er. Allerdings, so stellt sich raus, nicht für uns. So langsam wird auch er nervös. Haben wir anfangs noch Scherze gemacht, sind wir mittlerweile ziemlich frustriert – die Stimmung droht zu kippen. Im letzten Versuch fahren wir zu einer Mangroveninsel, laut Eslie fängt man hier IMMER etwas. Heute aber scheinbar nicht. Eslie ist mittlerweile regelrecht verzweifelt und weiß nicht mehr weiter. Dann passiert es – bei Andi hat einer angebissten – doch leider hat der „Fuchs“ sich nur den hinteren Teil des Köders geschnappt und ist auf und davon. Tief traurig machen wir uns auf den Rückweg. Wenigstens die zwei Delfine, die unser Boot begleiten, können uns ein bisschen aufheitern. Eslie, dem das schlechte Gewissen ins Gesicht geschrieben steht, verspricht uns etwas Fisch aus seinem Vorrat vorbeizubringen, damit zumindest unsere Grillparty nicht ins Wasser fällt. Mit jeder Menge Rum-Cola, Rum-Ananassaft, Rum-Kuchen, leckerem Kingfish und neuen Freunden haben wir den Misserfolg schnell vergessen und können schon bald darüber lachen!

Mit leichten Kopfschmerzen schlendern wir am nächsten Tag durch die Straßen Caye Caulkers – das Schlendern haben wir hier perfektioniert. Und sollte es doch mal jemand eilig haben, folgt schnell ein Spruch a lá „Where is the race?“ vom Straßenrand. Für den Nachmittag buchen wir eine Schnorcheltour, denn hier gibt es nicht nur wunderschönes türkises Wasser, sondern auch das zweitgrößte Korallenriff der Welt. Um zwei Uhr geht es los und was soll ich sagen: Unser Glück ist zurück. Wir sind die Einzigen die sich angemeldet haben und somit gibt es eine private Tour für uns. Unser Guide Salam hat einen Hang dazu Sätze und Wörter in konstanten Schleifen zu wiederholen, aber doppelt (oder auch dreifach) hält ja bekanntlich besser. Aus dem Boot heraus entdecken wir direkt zu Beginn Seekühe, die zum Luft holen aus dem Wasser kommen. Nach kurzer Erklärung geht es schon weiter zum ersten Stopp. Salam fragt nach unseren Schwimmkünsten, da wir jetzt für etwa 40 Minuten am Stück Schwimmen müssen. Naja, Kraulen ist nicht so unsere Paradedisziplin, aber unsere Brust- und Rückenschwimmkünste sollten für ein bisschen Schnorcheln wohl reichen, einigen Andi und ich uns schnell. Ich springe als erstes ins Wasser und soll bei einer Runde ums Boot meine Fähigkeit unter Beweis stellen. In meinen Hustenanfall hinein höre ich Salam fragen: „My Lady, are you sure you don´t need a Lifejacket, you sure?“. Klar, hab mich doch nur ein bisschen verschluckt. Ich warte noch bis alle im Wasser sind und frage dann doch, verunsichert durch seine Nachfrage, nach einer Rettungsweste. Er schwimmt schnell zurück zum Boot und kommt nicht nur mit einer Weste, sondern auch mit einem Rettungsring zurück. Sicher ist sicher. Los geht’s – Salam schwimmt vor, zeigt uns Fische und Korallen und erklärt uns immer wieder genau was wir sehen. Andi schnorchelt ihm fleißig hinterher, während ich das Ganze sicher von der Wasseroberfläche beobachte.  Der nächste Stopp ist ein kleines Stück weiter und kurz nach Ankunft wimmelt es nur so von Nursesharks und Stachelrochen. Wir sind ein bisschen aufgeregt, aber trauen uns schließlich doch, in sicherer Entfernung ins Wasser zu steigen. Beim letzten Stopp geht’s für uns allein auf Schnorcheltour, dieses mal ohne Weste.

Den letzten Abend verbringen wir mit der gewohnten Crew und feiern Abschied, da für uns die Reise am nächsten Tag weiter- bzw. zurückgeht in Richtung Mexiko.  

Belize bzw. Caye Caulker ist definitiv eine Reise wert. Wir sind extrem froh, dass wir uns trotz des Reiseaufwandes und der zusätzlichen Kosten für die vier Tage auf der Insel entschieden haben. Die Zeit dort kam uns viel länger vor und wir möchten die Erlebnisse und neuen Bekanntschaften auf keinen Fall missen! 

 

TULUM – EIN KURZER ABSTECHER

Nach kurzer, unspektakulärer Busfahrt kommen wir am Busbahnhof in Tulum an. Das Hostel ist gleich um die Ecke und fußläufig erreichbar – leider sind bei mir seit Valladolid die Rückenschmerzen zurück und jeder Schritt ist zu viel im Moment.

Wir haben für 2 Nächte ein Privatzimmer im Hostel „The Weary Traveller“ reserviert – welches für uns auch gleichzeitig das absolute Highlight Tulum`s war. Große Küche, free rice & pasta, free caipirinha´s jeden Abend, große Zimmer, gutes Internet und das alles zu günstigen Konditionen – um nur ein paar Highlights zu nennen. Eins noch – gratis Omelettes zum Frühstück waren nach Wochen von Toast und Marmelade der absolute Wahnsinn!

Gleichzeitig sagt das allerdings auch aus, dass uns Tulum nicht gerade von den Socken gehauen hat. Es ist sehr touristisch, viel Verkehr auf der 4-spurigen Straße, die einmal quer durch die Stadt verläuft und die Strände sind größtenteils von Hotels & Resorts blockiert. Tulum hat uns irgendwie nicht in den Bann gezogen, den man normalerweise verspürt, wenn man in eine neue Stadt oder ein neues Land kommt und anscheinend haben wir Tulum auch nicht richtig „gefunden“, da uns im Nachhinein vom „schönsten Strand“ berichtet wurde, den wir auf unserer Radtour allerdings nicht entdecken konnten.

Stattdessen haben wir uns die Ruinen direkt am Strand angesehen, welche tatsächlich dann doch noch einige schöne Aussichten für uns bereit hielten.

Unseren 2. Stopp legten wir dann bei der „Cenote Grande“, etwas ausserhalb des Stadtzentrums, ein – angekommen am Eingang hätten wir uns beinahe wieder auf unsere Räder geschwungen, da der Eintritt (180 MXN = 9 EUR p.P.) doch sehr happig war. Um aber nicht ganz umsonst die 5km Radweg hinter uns gebracht zu haben, zahlen wir und bringen unser Tagesbudget ordentlich ins Wanken. Der Name der Cenote verspricht zum Glück nicht zu viel und wir schwimmen fast 1 Stunde durch das Höhlensystem.

Nach zwei Nächten und drei Tagen verlassen wir Tulum bereits wieder und entscheiden uns für das günstige, späte Bus-Ticket nach Chetumal – trotz freundlicher Warnung, dass wir sehr spät ankommen würden und eventuell die Fähre nach Caye Caulker, Belize verpassen könnten, welche nur einmal am Tag um 3 Uhr nachmittags fährt.

VON MAYAS UND FLAMINGOS

Nach vier traumhaften Tagen auf der Insel Holbox machen wir uns jetzt also auf den Weg nach Valladolid. Um den einzigen Bus von Chiquila nach Valladolid um 6 Uhr zu erwischen, müssen wir die allererste Fähre ab Holbox um 5:30 nehmen – wer uns beide ein bisschen kennt, weiß das frühes Aufstehen gepaart mit zeitkritischen Terminen bei uns schnell zu kleineren Unstimmigkeiten führen kann. Sabrina möchte lieber 15 Minuten vor „Deadline“ parat sein, wohingegen ich die 15 Minuten viel lieber noch in meinen Schlaf investieren möchte. So auch an diesem Morgen – allerdings muss ich an dieser Stelle sagen, dass ich wahrscheinlich schon den ein oder anderen Bus/Fähre/Termin etc. verpasst hätte, wenn der Sheriff nicht aufpassen würde. In der Situation würde ich das natürlich niemals zugeben. 😉

Die Überfahrt haben wir damit verbracht an Deck zu frösteln und immer wieder zu überprüfen, ob unsere Schwimmfähigkeiten noch reichen würden, um in der stockdunklen Nacht an das eine oder andere Ufer zu schwimmen – meist war die Antwort „nein“, also blieb nur noch die Hoffnung nicht über Bord zu gehen.

Gegen 8 Uhr kommen wir bereits in Valladolid an und sind kurze Zeit später auch schon in unserer Unterkunft „Hostel del Fraile“ – an dieser Stelle einen schönen Gruß an unseren Freund und Weltumradler Walter (radtraum.de), der zufälligerweise vor 3 Jahren genau in derselben Unterkunft von seinem Drahtesel abgestiegen ist, wie wir im Nachhinein beim Stöbern auf seiner Seite festgestellt haben.

Valladolid, der geneigte Spanienkenner wird es wiedererkennen, wurde während der Kolonialzeit im Jahre 1545 vom spanischen Conquistador Francisco de Montejo gegründet. Hört sich gar nicht so dramatisch an, war es aber – die Spanier hatten nämlich ursprünglich zwei Jahre zuvor ihre Zelte an der Lagune Chowak-Ha´ („langes Wasser“) aufgestellt, litten jedoch so sehr unter den dortigen Mosquitos und der Feuchtigkeit, dass sie die gesamte Kolonie weiter ins Landesinnere verlagerten. Und zwar nicht irgendwo hin, sondern genau an die Stelle der damaligen Maya Stadt Saki´ – dessen Mauern und Gebäude niedergerissen wurden, um die Steine für die typischen Kolonialhäuser nutzen zu können. Ein Aufstand der dort ansässigen Maya wurde kurze Zeit später niedergeschlagen.

Heute wohnen circa 50´000 Einwohner in Valladolid, dessen Ortskern nach wie vor durch die oben beschriebenen Kolonialgebäude und einem wunderschönen Platz im Dorfzentrum geprägt ist. Endlich haben wir das Gefühl, dass es hier nicht nur um Tourismus geht, sondern tatsächlich auch das ganz „normale“ Familienleben stattfindet. Besonders am Wochenende sehen wir überdurchschnittlich viele „Mutter-Vater-Kind-Familien“, die gemeinsam auf dem belebten Dorfplatz ein Eis genießen oder den Springbrunnen als Abkühlung nutzen. Die verhältnismäßig geringe Anzahl an Reisenden nutzt Valladolid meist als Basecamp, um die naheliegenden Sehenswürdigkeiten (Chichen Itza, Rio Lagartos, Ek Balam, Cenoten) zu besuchen. So auch wir.

 

 

Wir fühlen uns gleich von Beginn an sehr wohl im Hostel und die fehlende Rezeptionistin, welche laut Nachtwache verschlafen hat, macht gar nichts, da wir unsere erste gratis Spanischstunde durch oben genannten Nachtwächter erhalten. Wir verstehen zwar nicht alles, aber das wird schon noch. Schnell lernen wir ein paar andere Reisende kennen und machen uns gemeinsam mit ihnen auf den Weg zur Cenote „Zaki“, mitten in der Stadt. Der Begriff „Cenote“ stammt von den Maya (ts’ono’ot) und ist ein Kalksteinloch, dass durch den Einsturz einer Höhlendecke entstanden ist und mit Süßwasser gefüllt ist. Es gibt mehr als 1000 dieser Cenoten im Bundesstaat Quintana Roo, welche vereinzelt bis zu 100 Meter tief sind. Eine Vielzahl dieser Cenoten ist miteinander verbunden und bildet so ein riesiges Unterwasserhöhlensystem, welches die Maya als Eingang zur Unterwelt betrachteten und deshalb häufig auch als Opferstätten verwendeten. Gleichzeitig war eben dieses System die maßgebliche Wasserversorgung der Mayas und einer der Gründe für die Entwicklung der Maya-Zivilisation.

         

Wir sind begeistert von den Cenoten und besuchen am nächsten Tag gleich noch Weitere mit unseren geliehenen Rädern. Sabrina hat anscheinend den Fahrradfluch und erwischt wieder die Schrottmühle, bei welcher die Kette alle 5 Minuten abspringt. Aber halb so wild, die Aussicht entschädigt für die dreckigen Finger. Auf dem Rückweg fahren wir noch durch den kleinen Nachbarort Chichimila, wo sich sonst anscheinend nicht besonders viele Touristen hin verirren, besonders nicht auf Fahrrädern – so zumindest hat es den Anschein, denn hier werden wir vom Starrer zum Angestarrten.

Auf der Landstraße zurück nach Valladolid wird ein großes Problem mehr als deutlich – überall am Wegesrand türmt sich der Müll und selbst die Schilder „No Basura“ sind umlagert von Windeln und co. Im Hostel frage ich einen Local, wie es um das Entsorgungssystem in Mexiko steht und er schüttelt nur den Kopf und sagt, dass es gar kein System gibt. Das erklärt, warum wir bisher noch keinen einzigen Wagen der Müllabfuhr gesehen haben und die Anzahl der Mülleimer doch sehr stark limitiert ist.

Für den nächsten Tag haben wir uns vorgenommen zum UNESCO-Welterbe „Chichen Itza“ zu fahren. Mit dem „Collectivo“ (Taxi-Mini-Bus) fahren wir also nach Piste und betreten pünktlich um 8 Uhr den Nationalpark – früh genug, um den Touri-Busreisenden aus Cancun aus dem Weg zu gehen und die unzähligen Verkaufsstände befinden sich noch mitten im Aufbau, als wir an ihnen vorbeimarschieren. Chichen Itza war zwischen dem 8. und 11. Jahrhundert eine regional sehr bedeutende Maya Stadt und ist weltweit für die gut erhaltene Treppen-Pyramide bekannt. Kurz bevor sich die unzähligen geführten Gruppen ringsum die Pyramide formieren, schaffen wir es noch das ein oder andere Bild zu schießen. Um ehrlich zu sein, hatte ich mir die Pyramide um einiges größer vorgestellt und bin daher nicht ganz so beeindruckt wie Sabrina, die sich in ihrer Fantasie schon mitten in ihrem heiß geliebten „Tomb Raider“ Computerspiel aus Kindertagen befindet (Anm. d. Redaktionsassistentin: Corinna an der Maus und Sabsi an der Tastatur). Ringsherum um die gut erhaltene Pyramide befinden sich verschiedene weitere Gebäude, darunter einige Opferstätten mit eindrucksvollen Steingravuren und ein imposanter Ballspielplatz. Bevor es viel zu voll wird, beschließen wir den Rückweg anzutreten. Für mich persönlich kein absolutes „Must-see“, auch wegen des hohen Eintrittspreises von 240 MXN (~12EUR) pP, aber dennoch auf Grund der Geschichte interessant und beeindruckend.

 

Für unseren letzten, vollen Tag haben wir uns den Ort Rio Lagartos bzw. den Ria Lagartos Nationalpark (Rio = Fluss, Ria = Mangrovensee) nördlich von Valladolid vorgenommen – eine etwa 50km lange, salzreiche Lagune, welche durch die davorliegende Halbinsel vom Golf von Mexiko getrennt wird. Bekannt für seinen Tierreichtum (Flamingos, Krokodile und Vögel aller Art) und rosa gefärbtes Wasser buchen wir, gemeinsam mit einigen Weggefährten aus dem Hostel, vor Ort eine „Bootssafari“. Der erfahrene Guide führt uns für circa 3 Stunden durch die überwältigend, schönen Kulissen des Nationalparks und stoppt immer wieder, um uns verschiedenste Tiere zu zeigen. Besonders aufregend wird die Begegnung mit einem circa 2m langen Süßwasserkrokodil, welches sich noch nicht einmal durch den ihn am Schwanz ziehenden Guide aus der Ruhe bringen lässt. Vielleicht sind Krokodile doch nicht so gefährlich, wie immer vermutet. Das nächste Highlight lässt nicht lange auf sich warten und wir verlassen das Boot, um auf einer ewig langen Sandbank in Richtung Flamingos zu waten. Wir kommen so nah an die scheuen Tiere, dass wir tatsächlich einige brauchbare Bilder schießen können. Den krönenden Abschluss bildet der nächste und vorletzte Stopp am rosanen Wasser, welches durch Mikroorganismen, Salzwasserkrebse und Algen, die den Farbstoff Beta-Carotin produzieren zu seiner eigentümlichen Farbe kommt. Wir empfinden es eher Orange als Rosa, was es allerdings nicht weniger eindrucksvoll macht. Da die obengenannten Beta-Carotin-Produzenten auf der Speisekarte der Flamingos stehen, färbt sich ihr Gefieder auf die typische Art und Weise rosa. Am letzten Stopp angekommen, tuen wir unserer Haut mit einem so genannten „Mayan-Bath“ noch einmal etwas Gutes, und reiben uns mit der salzhaltigen, lehmigen Erde großzügig ein.

 

 

 

 

 

 

 

Valladolid hat uns super gefallen und war der perfekte Ort, um als Basecamp für die unterschiedlichen Aktivitäten der Umgebung zu fungieren. Unsere Exkursion zum Ria Lagartos Nationalpark war unser absolutes Highlight der bisherigen Reise und können wir jedem Mexiko-Reisenden nur wärmstens ans Herz legen. Für uns geht es nun weiter nach Tulum und wir freuen uns schon wieder auf Strand und Meer.

 

HOLBOX – EINE INSEL UM LÄNGER ZU BLEIBEN ALS GEPLANT

Mit Bus (nach Chiquila) und Fähre geht es also zur Insel Holbox. Ungefähr 3 Stunden dauert die Busfahrt, und hoffentlich nicht verfrüht gelobt, aber das Mittel-/Langstrecken Bussystem in Mexiko ist wirklich sehr gut. Zur Wahl stehen zwei Reiseklassen (1. und 2. Klasse), anders als zB. in Deutschland gibt es hier keine „Klassenunterscheidung“ innerhalb des Busses, sondern der ganze Bus ist entweder 1. oder 2. Klasse – relativ leicht daran zu erkennen, dass die höherwertigen 1. Klasse-Busse direkt von der Firma ADO betrieben werden, wohingegen die 2. Klasse wahlweise von „Oriente“ oder „Mayab“-Fahrern durch die trockenen Landschaften Mexikos manövriert werden. Die 1. Klasse besticht durch Sauberkeit, TVs an Bord, viel Beinfreiheit und vermeintlich pünktlichere Ankunfts- und Abfahrtszeiten (können wir bisher nicht unbedingt bestätigen), ist in der Regel aber auch fast doppelt so teuer, wie ein 2. Klasse Bus auf der identen Strecke. Es wirkt ein bisschen so, als würden die ausrangierten 1. Klasse-Busse umgetauft und für die 2.Klasse verwendet. Auf den meisten Strecken hat man die Wahl zwischen beiden Klassen und da unser Tagesbudget (<30 EUR pP/Tag) sehr limitiert ist, fällt die Wahl nicht schwer. Zur Info: häufig gibt es „Frühbucher-Rabatte“ bis zu 50%, wenn man mindestens einen Tag vor Abreise bucht. Tickets werden direkt an allen ADO Bus-Stationen verkauft. Unser Ticket für die 3 stündige Fahrt kostet 117 MXN (umgerechnet ca 6 EUR).

Genug der Theorie – wir sitzen nun also im Oriente Bus nach Chiquila und sind noch nicht allzu weit gekommen, als der erste Stopp in einem kleinen Dorf eingelegt wird. Eine ältere Dame, bewaffnet mit einem Karton voller Teigwaren steigt ein und man sieht den Mitreisenden Mexikanern förmlich die Vorfreude an. Der Duft steigt auch uns direkt in die Nase und wir vergessen mal kurz unseren Proviant Beutel und kaufen eine Teigtasche der Sorte „fruta“ (um ehrlich zu sein, das Einzige, was wir verstanden haben) und es schmeckt großartig, wobei ich mir immer noch nicht sicher bin, ob wir beim Rückgeld nicht übers Ohr gehauen wurden. Da die Dame nur einmal hin- und zurückgeht und nach ca. 5 mins Weiterfahrt wieder aussteigt, verzichte ich mal auf weitere Nachfragen. Weiter geht´s bis zum nächsten und gleichzeitig letzten Stopp, welcher nicht weniger „interessant“ war – Sabrina wird endlich erlöst, als der Fahrer ein fröhliches „Bano“ (=Toilette) durch den Bus brüllt – also raus aus dem Bus, schnell noch 5 MXN für Toilettenpapier von den anderen Mädels in der Schlange leihen und rein geht´s in einen Raum ohne Licht und Fenster, dafür aber mit 5 Klos direkt nebeneinander – quasi Gruppenpinkeln im Dunkeln.

Kurze Zeit später kommen wir in Chiquila an und kaufen uns für weitere 140 MXN pP (~7 EUR) Tickets für die Fähre zur Isla Holbox. Eine kleine Insel (ca 40km lang und an der breitesten Stelle etwa 2 km breit) nord-westlich von Cancun mit ca.1500 Einwohnern von denen sich 500 von Fischerei ernähren und der Rest sich vermutlich um Touristen kümmert. Bekannt ist die Insel für ihre Walhaie und Flamingos, die sich für 6 Monate des Jahres hier aufhalten sollen – gesehen haben wir leider weder noch. Trotzdem ist die Insel ein wahrer Traum – Palmen, weißer Sandstrand, keine riesen Hotels á la Cancun und zu guter Letzt keine Autos.

Die Überfahrt dauert ca. 20 Minuten und schon satteln wir wieder unsere Rucksäcke und laufen dank „Maps.Me“-App (super Offline-Karten App – danke für den Tipp Simone) zielstrebig zu unserer vorab gebuchten Unterkunft. Das Golden Paradise Hostel sieht sehr gemütlich aus, es gibt mehrere kleine Hütten und ein Haupthaus, alles umgeben von gemütlichen Sitzecken und Hängematten. Beim Warten auf den Check-In lernen wir eine Gruppe Schweden kennen – echt guter Start und wir freuen uns auf die nächsten paar Tage hier. Leider weit gefehlt, es gibt 3 Golden Paradise Unterkünfte auf der Insel und wir haben natürlich nicht das gerade beschriebene gebucht. Also 3 Blocks weiter zum Golden Paradise Town – leider bei Weitem nicht so schön, es gibt weder Hängematten noch eine Küche (essentiell für günstiges Reisen), immerhin unser Zimmer ist sauber und geräumig. Zudem ist die Preisklasse (900 MXN pro Nacht / ca 45 EUR) auf lange Sicht auch nicht wirklich tragbar für unser Budget.

Also erstmal das Städtchen erkunden – wie oben schon kurz beschrieben, ist Holbox blockweise aufgebaut, was uns komischerweise die Orientierung erschwert. Kleine, ein- bis zweistöckige Gebäude mit Holzvertäfelung säumen die staubigen Straßen rund um den Basketballplatz mitten im Zentrum. Restaurants, Bars, Souvenir Laden oder Touranbieter wechseln sich ab und locken mit karibischen Klängen, Happy Hour Angeboten und einladenden Dachterrassen. Das klingt sehr touristisch, ist es irgendwie auch, aber beschränkt sich glücklicherweise auf die 4 Straßen rund um den Platz – sobald man eine Straße rausgeht, findet man kleine Tacquerias, Obst- und Gemüse-Läden und super-mercados. Zwei Straßen raus aus dem Zentrum beginnt dann auch schon das ganz normale Wohngebiet mit kleinen Hütten, wahlweise aus Stein oder Holz. Besonders gut gefällt uns, dass jede freie Wand mit Graffiti´s aller Art verschönert wurde, anders als häufig in Deutschland, wo ein schnell daher gekritzelter Schriftzug meist schon das höchste der Gefühle ist, kann man hier detailreiche Gemälde bestaunen.

 

Am zweiten Abend haben wir dann auch unseren ersten Reisetipp eingelöst – „Ceviche Aguachile im Las Panches“ (in Zitronensäure gegarte Shrimps mit Koriander und Avocado) – leider war es nicht ganz unser Ding, da ich kein besonderer Fan von Koriander bin und Sabrina sich, auf Grund der Konsistenz der Shrimps, wie in einer Dschungelprüfung vorkam. Allerdings haben wir von vielen gehört, dass es sehr gut sein soll – also sind wir wohl eher komisch und nicht das Essen.

Vom Stadtzentrum sind es ungefähr 2 Minuten (bzw. 3 Blocks) bis zum nahegelegensten Strand, welcher von luxuriösen Hotels und Lodges besiedelt ist. Die Hotels fallen nicht besonders negativ auf, da sie eher klein sind, allerdings ist der Strand dementsprechend voll mit Liegen und Sonnenschirmen. Wir schnappen uns also 2 Fahrräder vom Bike-rental, dessen Besitzer sichtlich erfreut ist, dass wir ihn nur auf 150 MXN Pp runterhandeln, und fahren die gesamte Insel ab. Zur Westseite der Insel befindet sich der Coconut Beach, und obwohl Sabrina einen Platten hat und wir irgendwie noch nicht so richtig auf der Insel und im Erholungsmodus angekommen sind, wissen wir jetzt, warum so viele Leute von der Insel geschwärmt haben. Nahezu menschenleer, kein Hotel weit und breit, Hängematten und ruhiges, klares, knietiefes Wasser– es kann kaum besser werden. Zur Ostseite der Insel ist der Seegang schon etwas rauer, weshalb sich auch jede Menge Kitesurfer diesen zu Eigen gemacht haben. Weite Teile im Osten der Insel sind infrastrukturell unerschlossen und es bleibt nur der Weg den Stand entlang. Schnell fühlt man sich wie der gestrandete Robinson Crusoe und zum Piraten fehlt nur noch der dazugehörige Rum (laut Infotafel in der Stadt, waren diese hier tatsächlich im 17. & 18. Jahrhundert ansässig).

Abschließend kann man sagen, abgesehen von einem Tag Eingewöhnungszeit, haben wir uns rundum wohlgefühlt, die Seele baumeln lassen, gut gegessen und die Autofreie Stadt mit ihren sandigen Straßen absolut genossen. Jeder der sich in der Nähe befindet oder eine Mexiko-Reise plant, sollte einen Abstecher auf diese kleine Insel machen, die gefühlt ein kleines Fischerdorf ist, was gerade gemerkt hat, dass man mit ein wenig Tourismus ein bisschen was verdienen kann. Ob es noch lange so „klein“ und wenig touristisch bleibt, ist zu bezweifeln, da hier und da bereits Baustellen für weitere Hotels angelegt wurden.

BIENVENIDOS A MEXICO

Hallo alle,

entschuldigt bitte die späte erste Meldung vom anderen Ende der Welt, aber wir sind aufgehalten worden:

Kaum zu glauben, aber heute vor 9 Tagen sind wir in Köln/Bonn ins Flugzeug gestiegen und zwölf Stunden später (die uns dank Beinfreiheit und der lieben Ruth M. gar nicht so lange vorkamen) in Cancun gelandet. Aber nochmal kurz zurück gespult – kurz nach der Sicherheitskontrolle und irgendwann zwischen Getränkeautomat und der Wartehalle am Gate passierte das, was bei keiner guten Reise fehlen darf – Sabrina hat ihren Reisepass „verloren“. Zwei Minuten voller Bluthochdruck und Herzinfarktnahen-Zuständen inklusive fast voll ausgereiften Plänen, wie man ohne Ausweis trotzdem nach Mexiko kommt – glücklicherweise konnte der Dieb schnell festgestellt werden – ich hatte ihn am Getränkeautomat eingesteckt. Schock verdaut und auf geht´s.

Angekommen traf uns erstmal die Hitzewelle – eingestiegen bei ca 7-8°C, war unsere Kleidung nicht mehr ganz so passend für die ca 25°C am Ankunftsort. Zum Glück haben wir uns nicht gleich in die Badehose geworfen, da der Bus Richtung „downtown“ gefühlt wieder auf Ausgangstemperatur runterklimatisiert wurde.

Vielmehr als Abendessen ging nicht mehr – schließlich hatten wir mittlerweile einen 20-Stunden-Tag hinter uns. Das Abendessen war lecker, leider sehr touristisch und dementsprechend etwas überteuert, aber das war uns am ersten Abend dann irgendwie auch egal. Ab ins Bett.

Früh weckte uns der gewohnte Rhythmus bzw die Innere-Uhr, die nach wie vor auf MEZ eingestellt war. Unser Hostel (Mundo Joven) war bisher nicht an Schlichtheit und Rustikalität zu überbieten, weshalb die Überraschung am Morgen umso größer war, als das – für Hostel-Verhältnisse – üppige Frühstück auf der sehr schönen Dachterrasse kredenzt wurde.

Bisher hatten wir vorwiegend Schlechtes über Cancun gehört, also begaben wir uns auf Entdeckungstour, um gegebenenfalls zu bestätigen oder ein anderes Cancun vorzufinden. Vorweg, leider geling uns das nicht – wir liefen vom Hostel zum Hafen und bis zur „Zona Hoteleria“ und zu sehen waren riesige Hotelkomplexe oder Baustellen, um weitere dieser Sorte bis zur nächsten Saison in die Höhe schießen zu lassen.

Einziger Lichtblick war eine Gruppe schwarzer Leguane, die sich ein kleines, künstliches Wasserloch Eigen gemacht hatten.

Hiermit schließt sich für uns auch schon das Kapitel Cancun und leider können wir die häufig bedienten Klischees auch nicht widerrufen. Der Abschied fällt also nicht schwer und wir machen uns auf den Weg zur Isla Holbox.

HALBZEIT

Eine Woche sind wir jetzt schon in der Heimat – Eine Woche, die es in sich hatte. Denn von Karnevalseskapaden, Krankheitswellen, Familienbesuchen, Behördengängen und einem Kurztrip in die Hauptstadt war alles dabei. Es soll ja schließlich nicht langweilig werden im Endspurt! Die wichtigsten Dinge sind jetzt aber erledigt: Der noch fehlende internationale Führerschein ist da, die Reiseapotheke vollständig und Versicherungs- und Bank-Fragen geklärt.

Heute kam dann die Erkenntnis, dass wir genau in einer Woche im Flugzeug sitzen werden. Unterwegs, ohne zu wissen wie lange und wohin es uns führen wird. Wie sich das anfühlt? Ob wir aufgeregt sind? Schwer zu beschreiben. Momentan ist alles noch ziemlich unwirklich, die Zeit mit der Familie und den Freunden zu schön und der Gedanke an ein Land, das 8.416 km Luftlinie entfernt liegt, noch ziemlich weit weg. Aber mit jedem Tag wird das Kribbeln im Bauch größer und spätestens wenn wir landen und unsere Rucksäcke vom Gepäckband nehmen, realisieren wir dann wohl auch, dass das Abenteuer endlich beginnt. 🙂

AU REVOIR, GOODBYE, AUF WIEDERSEHEN oder ALLER ABSCHIED IST SCHWER

Nach 3 1/2 Jahren im wunderschönen Österreich heißt es heute endgültig Abschied nehmen. Eine Woche voller Aufregung, Tränen und Vorfreude liegt hinter uns, denn der Abschied ist uns wirklich nicht leicht gefallen!
Mit einem lachenden und einem weinenden Auge geht es jetzt also erstmal für zwei Wochen in die Heimat, an den schönen Niederrhein. Der bevorstehende Karneval will gefeiert werden und wir können uns in Ruhe an die letzten Reisevorbereitungen machen, bevor es am 12.03 endlich losgeht in Richtung Mexiko.

An dieser Stelle nochmal ein großes Danke an all die lieben Menschen, die uns in den letzten Jahren begleitet, die Zeit für uns unvergesslich und Vorarlberg zu einem Zuhause gemacht haben. Ihr werdet uns fehlen!