GO SLOW ON CAYE CAULKER

Auf Caye Caulker lernt man Genügsamkeit und die perfekte Mischung Rum-Cola.

Bevor es dazu kommt gibt’s aber natürlich noch ein bisschen Abenteuer und Stress, wenn man denn in unserer Situation überhaupt von Stress sprechen kann. Der Entscheidung, ob wir nach Belize reisen wollen oder nicht, ist ein tägliches Abwägen der Pros und Contras vorhergegangen. Dabei waren die entscheidenden Argumente, dass wir zum einen ein Zeitlimit (Sprachschule in Guatemala über Ostern) haben, wir eigentlich gerne noch mehr von Mexiko sehen wollen und zu guter Letzt Belize im Vergleich sehr teuer ist. Das wichtigste und am Ende entscheidende PRO Argument ist aber, dass Andi am 26. März Geburtstag hat und vor genau 19 Jahren diesen schon einmal mit seinem Opa in Belize gefeiert hat. Die Lösung sieht deshalb vorläufig folgendermaßen aus: für 3 Tage geht’s auf die Insel Caye Caulker und dann für zwei Wochen zurück nach Mexiko.

Um 15 Uhr geht laut unserer Info das letzte Boot nach Caye Caulker – Unser Reisetag spielt sich ungefähr wie folgt ab:

10:15 Uhr          Geplante Busabfahrt Tulum (wie bereits erwähnt haben wir uns für das günstige, späte Busticket entschieden)

10:40 Uhr          Tatsächliche Busabfahrt Tulum

14:30 Uhr          Ankunft Bahnhof Chetumal

14:45 Uhr          Ankunft Hafen/Grenzstation Chetumal

Bevor wir unsere Tickets kaufen, nehmen uns eifrige Mitarbeiter bereits das Gepäck ab und informieren uns darüber, dass die Bankautomaten auf Caye Caulker nicht funktionieren, wir Geld für Ein- und Ausreise benötigen und in spätestens 5 Minuten zur Grenzkontrolle durch das Militär bereitstehen müssen.

14:50 Uhr          Panischer Sprint zum nächsten Bankautomaten

15:05 Uhr          Atemlos und mit hochrotem Kopf stehen wir am Ausreiseschalter (An dieser Stelle schöne Grüße an meine Sportfreunde Katrin und Christina)

Wie befürchtet und bereits im Vorfeld erfahren, fordert man uns auf 25 USD Ausreisegebühr aka Touristen-Tax p.P. zu zahlen. Wir zeigen dem netten Herrn unser Flugticket auf Deutsch und sagen die Gebühr wäre bereits inkludiert. Ob das stimmt wissen wir nicht, aber es funktioniert 🙂

15:10 Uhr          Das Handgepäck muss zur Kontrolle in der Mitte des Raumes aufgereiht werden

15:25 Uhr          Unter nervösen Blicken der Reisenden führt ein Soldat mit Hilfe seines Schäferhundes die Taschenkontrolle durch. Alle hoffen, dass der Hund an der eigenen Tasche vorbeiläuft und wenn er doch einen Moment länger als nötig verharrt, kann man förmlich sehen, wie der Herzschlag der betroffenen Person für einen Moment aussetzt.

15:40 Uhr          Alles ok –  Alle dürfen auf das vollbesetzte Boot

16:50 Uhr          Abfahrt – zum Glück haben wir einen Platz im hinteren Teil ergattert, denn vorne scheppert es ordentlich

17:50 Uhr          Ankunft San Pedro (Ambergris Caye) – Einreise Belize

Aussteigen, Gepäck auf den Rücken und wieder heißt es warten. Dieses Mal in Reih und Glied. Nach zwei Fragen zur Reisedauer und der Bezahlung bekommen wir endlich den Stempel für unser Visum.

18:15 Uhr          Abfahrt San Pedro

18:30 Uhr          Ankunft Caye Caulker

Irgendwo zwischen Ankunft in Caye Caulker und Einreise in San Pedro lernen wir drei Deutsche kennen, die wir nach ihrem Hostel fragen, da wir, unsicher ob wir es an dem Tag auf die Insel schaffen würden, noch nichts gebucht haben. Wir schließen uns Tim an, der glücklicherweise mit dem Golfkart von den Hostelbesitzern Rosie und Bassilio abgeholt wird.  Die beiden sind so herzlich und hilfsbereit, dass wir uns nach der Anreise kaum ein schöneres Willkommen und keine bessere Unterkunft als das Hostel „Go Slow“ hätten wünschen können. Ich weihe Rosie in meinen Plan ein für Andi zum Geburtstag eine Angeltour zu organisieren. Denn genau das hat er mit seinem Opa vor 19 Jahren auch gemacht. Sie verspricht mir für den nächsten Tag ein Treffen mit einem Fischer und schlägt ein Geburtstags-Grillen im Hostel vor.

Den nächsten Tag verbringen wir mit ein paar anderen Reisenden am Strand, trinken frische Kokosnussmilch und genießen das langsame Leben auf der Insel im karibischen Meer. Die Uhren scheinen hier anders zu ticken und überhaupt unterscheiden sich das Leben und die Menschen hier stark von denen in Mexiko. Das liegt größtenteils daran, dass Belize, anders als andere zentralamerikanische Staaten, eine britische Kolonie ist. Die Amtssprache ist Englisch und es gibt neben denen der Maya auch starke afrikanische Einflüsse, welche mitsamt Sklaven im Kolonialzeitalter nach Belize kamen.

Am Strand beobachtet Andi einen Fischer, der sich als Fiddel vorstellt, beim Ausnehmen eines Barrakudas. Sie kommen ins Gespräch und er lädt uns für den Abend zum Grillen des besagten Fisches ein.  Dabei erzählt er uns viel von seinem Leben auf Caye Caulker und der Geschichte des Landes. Wir verabschieden uns nach ein paar Stunden und kehren bewaffnet mit einer Flasche Rum zurück ins Hostel, wo wir mit den Anderen in Andis Geburtstag feiern.

Happy Birthday! Heute geht’s um 8 Uhr auf hohe See. Eslie steht schon bereit und erwartet uns mit seinem Boot.  Ich bin ein bisschen aufgeregt, denn ich war noch nie Angeln oder Fischen – gibt’s da einen Unterschied? Als erstes, so lerne ich, benötigt man natürlich Köder. Also fangen wir bzw. Eslie mit dem Netz ein paar kleine Fische. Im zweiten Schritt werden diese LEBEND (!?) an den Haken befestigt. Im flachen Wasser erhoffen wir uns einen Barrakuda zu fangen, denn der Plan ist den gefangenen Fisch am Abend mit dem Rest der Bande zu grillen. Gesagt getan. Natürlich beißt bei mir sofort einer an – denke ich zumindest – doch Eslie erklärt mir schnell, dass das nur der Wasserwiderstand des langsam vor sich hingleitenden Bootes ist. Ok, ein bisschen enttäuscht, aber noch immer hochmotiviert geht es weiter. Als wir nach einer Stunde noch immer nichts gefangen haben, schlägt er vor es erstmal beim Tiefseefischen zu versuchen. Laut seinem Navi für Fische sollen sich einige Red Snapper in den Tiefen des Meeres rumtümmeln. Bei starkem Wellengang versuchen wir unser Glück. Nach einer weiteren Stunde müssen wir allerdings aus „gesundheitlichen“ Gründen abbrechen. Was wir bis dahin gefangen haben? Ein bisschen Seegras, Muskelkater im Arm und starke Übelkeit. Nachdem Andi Eslie´s Rat („Let it all out“) befolgt, geht es ihm schnell wieder besser. Also zurück ins ruhige Wasser. Eslie fährt mit uns zu einem Schiffswrack – da sind jede Menge Barrakudas, verspricht er. Allerdings, so stellt sich raus, nicht für uns. So langsam wird auch er nervös. Haben wir anfangs noch Scherze gemacht, sind wir mittlerweile ziemlich frustriert – die Stimmung droht zu kippen. Im letzten Versuch fahren wir zu einer Mangroveninsel, laut Eslie fängt man hier IMMER etwas. Heute aber scheinbar nicht. Eslie ist mittlerweile regelrecht verzweifelt und weiß nicht mehr weiter. Dann passiert es – bei Andi hat einer angebissten – doch leider hat der „Fuchs“ sich nur den hinteren Teil des Köders geschnappt und ist auf und davon. Tief traurig machen wir uns auf den Rückweg. Wenigstens die zwei Delfine, die unser Boot begleiten, können uns ein bisschen aufheitern. Eslie, dem das schlechte Gewissen ins Gesicht geschrieben steht, verspricht uns etwas Fisch aus seinem Vorrat vorbeizubringen, damit zumindest unsere Grillparty nicht ins Wasser fällt. Mit jeder Menge Rum-Cola, Rum-Ananassaft, Rum-Kuchen, leckerem Kingfish und neuen Freunden haben wir den Misserfolg schnell vergessen und können schon bald darüber lachen!

Mit leichten Kopfschmerzen schlendern wir am nächsten Tag durch die Straßen Caye Caulkers – das Schlendern haben wir hier perfektioniert. Und sollte es doch mal jemand eilig haben, folgt schnell ein Spruch a lá „Where is the race?“ vom Straßenrand. Für den Nachmittag buchen wir eine Schnorcheltour, denn hier gibt es nicht nur wunderschönes türkises Wasser, sondern auch das zweitgrößte Korallenriff der Welt. Um zwei Uhr geht es los und was soll ich sagen: Unser Glück ist zurück. Wir sind die Einzigen die sich angemeldet haben und somit gibt es eine private Tour für uns. Unser Guide Salam hat einen Hang dazu Sätze und Wörter in konstanten Schleifen zu wiederholen, aber doppelt (oder auch dreifach) hält ja bekanntlich besser. Aus dem Boot heraus entdecken wir direkt zu Beginn Seekühe, die zum Luft holen aus dem Wasser kommen. Nach kurzer Erklärung geht es schon weiter zum ersten Stopp. Salam fragt nach unseren Schwimmkünsten, da wir jetzt für etwa 40 Minuten am Stück Schwimmen müssen. Naja, Kraulen ist nicht so unsere Paradedisziplin, aber unsere Brust- und Rückenschwimmkünste sollten für ein bisschen Schnorcheln wohl reichen, einigen Andi und ich uns schnell. Ich springe als erstes ins Wasser und soll bei einer Runde ums Boot meine Fähigkeit unter Beweis stellen. In meinen Hustenanfall hinein höre ich Salam fragen: „My Lady, are you sure you don´t need a Lifejacket, you sure?“. Klar, hab mich doch nur ein bisschen verschluckt. Ich warte noch bis alle im Wasser sind und frage dann doch, verunsichert durch seine Nachfrage, nach einer Rettungsweste. Er schwimmt schnell zurück zum Boot und kommt nicht nur mit einer Weste, sondern auch mit einem Rettungsring zurück. Sicher ist sicher. Los geht’s – Salam schwimmt vor, zeigt uns Fische und Korallen und erklärt uns immer wieder genau was wir sehen. Andi schnorchelt ihm fleißig hinterher, während ich das Ganze sicher von der Wasseroberfläche beobachte.  Der nächste Stopp ist ein kleines Stück weiter und kurz nach Ankunft wimmelt es nur so von Nursesharks und Stachelrochen. Wir sind ein bisschen aufgeregt, aber trauen uns schließlich doch, in sicherer Entfernung ins Wasser zu steigen. Beim letzten Stopp geht’s für uns allein auf Schnorcheltour, dieses mal ohne Weste.

Den letzten Abend verbringen wir mit der gewohnten Crew und feiern Abschied, da für uns die Reise am nächsten Tag weiter- bzw. zurückgeht in Richtung Mexiko.  

Belize bzw. Caye Caulker ist definitiv eine Reise wert. Wir sind extrem froh, dass wir uns trotz des Reiseaufwandes und der zusätzlichen Kosten für die vier Tage auf der Insel entschieden haben. Die Zeit dort kam uns viel länger vor und wir möchten die Erlebnisse und neuen Bekanntschaften auf keinen Fall missen! 

 

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