BAHIA SOLANO – BUCKELWALE AN KOLUMBIENS PAZIFIKKÜSTE

Zu zehnt sitzen wir in der kleinen Propellermaschine auf dem Weg nach Bahia Solano. 40 Minuten dauert der Flug von Medellin aus – hinweg über Berge und unberührte Dschungellandschaften, bis wir den pazifischen Ozean unter uns sehen können. Nach einer Landung am wohl außergewöhnlichsten Flughafen, den wir je besucht haben, geht es mit dem Auto nochmal für 45 ungemütliche Minuten weiter.

Das „The Humpback Turtle Hostel“ befindet sich in dem kleinen Dorf El Valle. Der Name des Hostels ist Programm und genau deshalb sind wir hier: Humpbacks / Buckelwale! Denn ob ihrs glaubt oder nicht, es ist tatsächlich WALSAISON 🙂

Kolumbiens Pazifikküste ist touristisch noch wenig erschlossen und entsprechend wenige Informationen haben wir im Vorfeld finden können. Hätten uns unsere Segelkumpane, Madeleine und Silvana, nicht so von ihrem Besuch vorgeschwärmt, wären wir wohlmöglich gar nicht hier gelandet. Aber jetzt sind wir hier, vor uns der Pazifik, hinter uns der Dschungel.

Um 8:45 Uhr am nächsten Tag fahren wir mit dem Tuk Tuk die ruckelige Straße zurück nach Bahia Solano, von wo aus unsere Wal-Tour startet. Wir haben uns für eine Tour mit Pacific Wildlife entschieden, einem Team aus Meeresbiologen. Mit acht weiteren Reisenden, begeben wir uns auf das kleine Boot. Alle sind ein bisschen aufgeregt und hoffen, dass wir zumindest einen der Meeres-Riesen zu Gesicht bekommen. Schon nach 10 Minuten Fahrtzeit entdecken wir in der Ferne eine Flosse aus dem Wasser auftauchen. Wir fahren ein bisschen näher und warten aufgeregt auf ein erneutes Auftauchen, während die Spanierin Mar uns mit Informationen über die Buckelwale füttert. Jedes Jahr zwischen Juli und September kommen die großen Säugetiere nämlich zur Paarung und um ihren Nachwuchs auf die Welt zu bringen, in die warmen Gewässer an Kolumbiens Pazifikküste.

Der Wal lässt sich nicht mehr blicken. Bevor sich Enttäuschung breitmachen kann, entdecken wir jedoch nur ein paar hundert Meter weiter gleich mehrere Wale, die zum Atmen an die Wasseroberfläche kommen. Bei jedem Abtauchen warten wir gespannt und suchen das Wasser ab, uns fragend, wo sie wohl als nächstes auftauchen. Auf einmal hören wir die Wale vermeintlich aus allen Richtungen. Zunächst ein Geräusch wie ein spritziger Luft-Stoß, gefolgt von einer Wasserfontäne und einem riesigen Rücken der aus dem Wasser ragt. Als letztes steigt die so bekannte Schwanzflosse aus dem Wasser und gleitet fast lautlos wieder hinein. Wir entdecken schwarze, weiß gemusterte und fleckige Schwanzflossen, was wie Mar uns erklärt, nicht ungewöhnlich ist, da sie, vergleichbar mit dem Fingerabdruck des Menschen, bei jedem Wal einzigartig ist.

Plötzlich hören wir den Luftzug viel näher als zuvor und tatsächlich tauchen sie direkt neben unserem kleinen Boot auf. Erst einer, dann zwei weitere Wale. Wir sind alle ganz still, ja sprachlos, schlagen die Hände vor dem Mund zusammen und staunen. Staunen über diese einzigartigen Tiere, die noch zu den kleinen ihrer Art gehören und für uns schon so gigantisch, so schön sind. Mar erklärt uns, dass die Männchen gerade kämpfen und um das Weibchen buhlen. Immer wieder drücken sie sich gegenseitig in die Tiefe. Als sie näher kommen entdecken wir viele Details an ihren mächtigen Körpern, Narben und Falten am Kopf. Kaum zu glauben, wie elegant sich die 12-15 Meter langen 40 Tonner durch das Meer bewegen. Vier Stunden lang beobachten wir die Meeres-Riesen und wenn es nach mir gehen würde, könnte es den ganzen Tag so weitergehen.

Zwischendurch nimmt Mar mit einem speziellen Unterwassermikrofon die Gesänge der Wale auf und auch das hinterlässt uns staunend und mit Gänsehaut.

Am späten Mittag erreichen wir ein indigenes Dorf, das an den Ausläufen eines ins Meer führenden Flusses liegt und von Pacific Wildlife unterstützt wird. Hier bekommen wir ein leckeres Mittagessen und gehen baden, bevor es durch den Mangrovenwald und dem inzwischen durch die Flut angestiegenen Fluss, zurück in Richtung Bahia Solano geht.

Wir erreichen die Stadt klitschnass, denn mittlerweile regnet es in Strömen und auch die eingepackten Regenjacken helfen bei den sintflutartigen Regenschauern nicht mehr. Doch das ist nichts außergewöhnliches, da der Bundesstaat Choco nicht nur wunderbare Landschaften zu bieten hat, sondern auch Regen an ca. 250 Tagen im Jahr.
Der Regen bleibt auch am dritten Tag und so machen wir es uns in den Hängematten gemütlich. Zum Glück haben wir den Kindle für solche Fälle mit Büchern vollgepackt und unsere Hostelmitbewohner einige Kartenspiele parat. Am Nachmittag können wir dann bei grauem Himmel aber doch noch die wunderbare Natur rund ums Hostel und das kleine Dorf genießen.

Wer außergewöhnliche Natur und Abenteuer abseits der üblichen Pfade sucht und mit ein bisschen Regen leben kann, ist an Kolumbiens Pazifikküste genau richtig.

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